Techniktrends aus Las Vegas

Vom 6.-9. Januar 2011 werden in Las Vergas anlässlich der CES (Consumer Electronics Show) Trends und Neuheiten präsentiert. Die heißen nicht ganz anders als schon im letzten Jahr: SD-Technik, Tablet-Rechner und noch leistungsstärkere Smartphones.

Dabei gehen Hersteller überra­schende Allianzen ein. Galt Micro­soft bisher als treuer Intel-Partner, öffnet sich der Windows-Entwickler
jetzt dem britischen Mikrochip-Produzenten Arm. Der hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Zulieferer für schnelle Smartphones und Tablet-Rechner wie dem iPad von Apple gemacht. Da Microsoft von diesem Wachstumsmarkt nicht ab­geschnitten sein will, soll Windows 8 auch mit Arm-Prozessoren zusam­menarbeiten können. Umgekehrt kokettiert Intel mit Google, dessen Handybetriebssystem Android auf dem Weltmarkt bereits häufiger auf Smartphones installiert ist, als Apples iPhone-OS.

Die Grenzen zwischen Smart­phones, Tablets und Nettops sind immer schwerer zu ziehen. Mobile Telefone mit großem Display bieten die
Funktionsvielfalt eines kleinen Tablet-Rechners. Neue Nettop-Rech­ner von Samsung oder Asus sehen auf den ersten Blick wie Tablets aus, entpuppen sich aber als vollwertige Rechner, weftn die ultraflache Tasta­tur unter dem Display hervorgezogen wird. Und Motorola präsentiert zu seinem neuen Hochleistungs-Smartphone Atrix eine Docking-Station aus Tastatur und Monitor, mit dem das Handy zum Desktoprechner wird.

Auch bei der Bewertung von Pro­zessor und Graphikkarte müssen Käufer umlernen. Bisher galten Chips mit eingebauter Graphikfunktion als leistungsschwache Billiglösung. Intel und Konkurrent Advanced Micro Devices (AMD) setzen beide auf neue Chips, bei denen Graphikchip und Hauptprozessor in eine neue Archi­tektur integriert werden. „Sandy Bridge” nennt Intel seine neuen Pro­zessoren, die nebenbei Graphikkar­tenherstellern wie Nvidia das Wasser abgraben sollen. Die kontern mit ei­ner Gegenoffensive und präsentieren einen eigenen Chip mit integrierten Funktionen. Als Chip-Lieferant für Smartphones hat sich Nvidia bereits etabliert.

Angetrieben werden die meisten Entwicklungen durch den immensen Erfolg von Apple bei der Vermark­tung von iPhone und iPad.
Damit der Vorsprung gegenüber der Konkurrenz gewahrt bleibt, muss der Mac-Pro­duzent mit frischen Updates seiner Erfolgsmodelle Kunden locken. Zwar ist Apple auf der CES nicht präsent, im Umfeld wurden aber bereits die möglichen Features eines iPad 2 debattiert, wozu, wie bereits beim iPhone, wohl auch eine zweite Kamera fü Videotelefonate gehören wird. Mit einem Produktstart noch im ersten Halbjahr 2011 rechnen die meisten Branchenbeobachter.

Die Euphorie der 3D-Anbieter aus dem letzten Jahr ist vorsichtigeren Experimentieren gewichen. Zu wenig Konsumenten haben sich auf
die neue dreidimensionale Fernsehtechnik einlassen wollen, die mit als unbequem empfundenen Brillen und zu wenig Programmangebot bei Filmer und TV ihre Versprechungen nicht einzulösen wusste.

Einige Hersteller locken nun mit Brillen, die preisgünstiger sind als die aktiven Shutter-Brillen. Den bril­lenlosen Weg geht Toshiba. In Las
Vegas zeigen die Japaner Prototypen mit Displays, die mit 4096 x 2160 Pi­xeln die vierfache Auflösung eines herkömmlichen HD-Fernsehers bei Bilddiagonalen von bis zu 65 Zoll oder 165 Zentimetern aufweisen. Da sich die beiden autostereoskopischen Bilder des SD-Effekts die Pixel teilen müssen, erlebt der Betrachter eine HD-Auflösung mit 2048 x 108o Pi­xeln.

Wenn Sender und Filmprodu­zenten noch kein attraktives Angebot an 3D Inhalten bieten können, sollen die Konsumenten selbst zu
Produ­zenten werden. Digitalkameras und Camcorder mit zwei Objektiven und doppelter Sensorausstattung gibt es daher im bereits erschwinglichen Preisbereich zwischen 300 und 1500 Euro. Einen günstigen Einstieg in die 3D-Aufnahmetechnik bietet Sony mit einer Bloggie-Kamera für 270 Euro, die je nach Bedarf auch herkömm­liche Videos im vollen HD-Format aufzunehmen weiß.
Bei der 3D-Ein­stellung wird die Pixelzahl auf 960 x 1080 reduziert.

Von den Vorführmodellen der 3D-Technik wird so manches Gerät nicht den Status des Prototypen überwin­den können. Sicher aber ist:
2011 ist das Jahr der Tablet-Rechner. Rund 100 Modelle werden gegeneinander antreten und um die Gunst eines Käu­fers werben, der sich der Einfachheit halber in vielen Fällen aber schon für ein iPad von Apple entschieden hat.

Zu viel Konkurrenz belebt so dop­pelt das Geschäft, hier das von Apple. Von der Unübersichtlichkeit der Ge­rätevielfalt rettet sich
mancher in den Hafen der als sicher erscheinenden Weltmarke.

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